
Finanzierungsalternativen
Schuldscheine
Schuldscheine gehören zu den klassischen Refinanzierungsinstrumenten und gewinnen zunehmend wieder an Bedeutung. Der Schuldschein an sich stellt dabei lediglich die Urkunde bzw. den Beleg dafür dar, dass ein Geschäft zwischen Kreditgeber und -nehmer stattgefunden hat. Denn im eigentlichen Sinne handelt es sich um ein Schuldscheindarlehen. Vergeben wird es von Kapitalanlagegesellschaften, teilweise auch von Sozialversicherungsträgern. Zu den größten Emittenten (Herausgebern) von Schuldscheinen zählen zudem die Bundesländer und Gemeinden.
Voraussetzung dafür, dass Geld zur Verfügung gestellt wird, ist eine ausreichend hohe Bonität. Der Nachweis darüber muss im Gegensatz zu Anleihen nicht über externe Ratingagenturen erbracht werden. Auch der Aufwand ist geringer, weil die Finanzkennzahlen lediglich dem Vertragspartner zu nennen sind und nicht publiziert werden müssen. Diese Diskretion wissen Firmen zu schätzen.
Vorteile bietet das Schuldscheindarlehen auch im Bezug auf die Kostenstruktur. Die Emissionskosten lassen sich individuell handhaben. Die Nebenkosten liegen bei rund 0,5 bis 1,0 Prozent des Nominalwertes. Bei Anleihen erreicht dieser Wert bis zu 3,5 Prozent. Der große preisliche Unterschied ergibt sich aus den strengeren Voraussetzungen für Anleihen. Sie bedürfen einer Ratingagentur zur Bewertung des Unternehmens und müssen, anders als Schuldscheine, zugelassen werden. Damit haben Schuldscheine auch eine weitaus kürzere Vorlaufzeit. Vom ersten Gespräch bis zur Ausführung, sprich der Platzierung, vergehen im Schnitt rund zehn Wochen. Die Laufzeit des Schuldscheindarlehens beträgt dann bis zu zehn Jahre. In der Regel sind es zwei bis fünf Jahre.
Diesen Vorteilen stand bislang vor allem ein Manko gegenüber: die Mindestsumme von fünf bis 20 Millionen Euro. Damit war der Zugang für kleinere Unternehmen versperrt. Inzwischen gibt es Schuldscheinprogramme, die bereits ab 250.000 Euro greifen. Auch bei ihnen gilt eine freie Verwendung der Mittel und müssen keine speziellen Sicherheiten gestellt werden. Wie bei anderen Darlehen üblich, richtet sich die Verzinsung nach der Bonität des Kunden und der Laufzeit. Um diese Programme realisieren zu können und ein ausreichend hohes Volumen zu erreichen, damit der Zugang zum Kapital zum Kapitalmarkt überhaupt frei wird, bündeln die Banken – hauptsächlich die Landesbanken – die Schuldscheine von mehreren Unternehmen.
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